crossport to heaven

Die Jugendkirche für den Nationalpark Hunsrück-Hochwald auf dem Flughafen Frankfurt-Hahn

Jener Mensch Gott

Jener Mensch Gott – Ökumenischer Kreuzweg der Jugend im Hunsrück
Kirchberg/ Dekanat Trauernde am Grab, Arme in der Fußgängerzone, ertrinkende Flüchtlinge: Fotos aus dem Leben. Damit startete die evangelische Jugend Rheinböllen in den ökumenischen Kreuzweg. Sie stellte ihren Fotos Bildausschnitten aus dem Isenheimer Alter gegenüber.

Einem der bedeutendsten Altarwerke der Kunstgeschichte aus einem Antoniterkloster im Spätmittelalter. Damals begann es mit einer Seuche, einer großen Not und einer Rettung – eine schreckliche Krankheit flammte im Mittelalter immer wieder auf. Das Antoniusfieber, eine Pilzvergiftung des Getreides. Die dortigen Mönche nahmen sich besonders der Menschen an, die an der damals weit verbreiteten Mutterkornvergiftung erkrankt waren. Die Vergiftung löste stark brennende Schmerzen aus, die man zu der damaligen Zeit „Heiliges Feuer“ oder Antoniusfeuer nannte. Dieser Schmerz brannte in den Extremitäten, die durch dauernde Gefäßverengung abzusterben begannen. Ziel des Ordens war es, sich der zahlreichen Kranken anzunehmen, um so Heilung oder Schutz vom heiligen Antonius zu erbitten. Diese Kranken waren es, die neben den Mönchen die Tafelbilder des Isenheimer Alters, zu sehen bekamen. Nach der ersten Nacht in der Präzeptorei wurde jeder Kranke vor den Hochaltar mit seinen Flügeltüren gebracht. Ihnen und denen, die sich der Krankenpflege verschrieben hatten, den Antonitern selbst, galt die Verkündigung der Bildtafeln des Malers Mathias Grünewald.
Allem voran der geschlossene Altar versuchte nun Antwort auf die Fragen zu geben, die sowohl die Kranken als auch ihre Betreuer am meisten bewegten: Warum? Und wie geht man damit um, mit der Tatsache krank – unheilbar krank – zu sein? Das ist der Hintergrund des Isenheimer Altars. Matthias Grünewald war der Künstler. Er malt nicht nur einen sehr menschlichen Antonius, sondern vor allem einen erschütternden Jesus. Einen Christus, der mitleidet – am Antoniusfeuer. Ein Kreuz unter dem Menschen stehen, die auch leiden – auf unterschiedlichste Weise.
Auf einzelne Ausschnitte des Isenheimer Altars greift der ökumenische Jugendkreuzweg zurück. Bernd Arnold (Aschermittwoch 1961 in Köln geboren) hat diese fotografiert und zusammengestellt. Er will den Jugendlichen eine starke Brücke in unsere Leiden – heute – bauen. Zu den Feuern, die uns verzehren. Jeden persönlich. Unsere Gesellschaft. Ein altes Bild – an Aktualität hat es dadurch nicht verloren.
Diese Brücke schlugen die Jugendlichen immer wieder. Gekonnt auf ihre Art. Sie gaben ihr ihre Sprache und ihre Bilder. Sie waren auf der Suche, wie sie im Lied „Gib mir die richtigen Worte“ zum Ausdruck brachten. Wie es gelingt, nicht die Hoffnung zu verlieren, machten die evangelische Jugend Simmern-Rheinböllen zum Thema. Sie spielten „Heute-Nachrichten“ mit ihren eigenen Kommentaren. Das Schicksal von Michael Schuhmacher oder der Tod des kleinen Dano in Erfurt waren ihre Nachrichten. In Ihren Kommentaren suchten sie nach Erklärungen, Möglichkeiten zu helfen und Verständnis. Woran kann ein Herz zerbrechen? An zu viel Leid. „Es bricht mir das Herz, wenn ich nicht weiß, wie ich einem geliebten Menschen helfen kann“. Die katholische Jugend Rheinböllen erzählte, was alles unser Herz verletzen kann. Bis es bricht. Laut und erschütternd wie im Kreuzweg – oder ganz still und leise. Wir brauchen Halt und helfende Hände in unserem Leben. Gerade Jugendliche brauchen diese oft bei den Hausaufgaben, beim Lernen oder Klären von schwierigen Fragen. Das zeigte die katholische Jugend Kirchberg in einem Anspiel. Eine Gruppe aus dem Crossport to Heaven ließ die Anwesenden erschaudern. Hammerschläge ließen die Nägel das Kreuz durchbohren. Jeder Nagel stand für die Gewalt in unserer Welt. Gewalt in Syrien. Gewalt in der Ukraine. Gewalt in Zentralafrika, in Fußballstadien, in Familien. Gott ersparte Jesus die Folter nicht. Die Jugendlichen fragten sich warum. Sie baten darum, dass er für sie da ist, wenn sie selbst Leid erfahren. Die jüngste Gruppe aus der evangelischen Region Mosel-Kirchberg hatte eine der schwierigsten Stationen übernommen. Doch sie brachten mit sehr viel Ernsthaftigkeit unter der Regie von Regina Fahle Gedanken zum Tod zum Ausdruck. Auch die katholische Jugend Simmern stellte Fotos aus ihrem Leben und Grünewalds Bilder gegenüber. Sie griffen den helfenden Charakter für das Leben junger Menschen auf: „Mitten im Dunkel zeigt eine Hand uns die Richtung“. Den Jugendlichen gelang es die Brücke von den uralten Texten der Bibel, den alten Bildern des Isenheimer Alters hin zu den neueren Liedern und den aktuellen Ereignissen aus ihrem Leben zu bauen. „Vor über 50 Jahren starteten wir mit drei Menschen dieses Kreuzweg im Hunsrück. Wir hätten uns nie träumen lassen, dass die Kirche mit so vielen Jugendlichen gefüllt sein wird“, war Harald Kosub begeistert. Er war schon beim gemeinsamen Gang von der evangelischen zur katholischen Kirche ganz begeistert wie viele Jugendliche mit ihren Eltern, Katecheten und Betreuern zum Kreuzweg gekommen waren. Die „gute Seele“ des Kreuzweges berichtete von der schon traditionellen Kollekte für die Schule in Talita Kumi, unweit von Bethlehem. Dort werden christliche und muslimische Jugendliche unterrichtet. 20 junge Mädchen aus schwierigen familiären Verhältnissen finden dort einen Platz im Internat.
Jugend-Kreuzwege in der Karwoche
„Kreuzwege“, Stationen also, die die Leidensgeschichte Jesu erzählen, gibt es in Hülle und Fülle. In katholischen Kirchen, in Parks, an Wallfahrtsstätten, in Räumen und im Freien, gemalt, geschnitzt, gemeißelt, in Fotos, in Bildtafeln, als Skulpturen. Mal mit sieben Stationen, mal mit vierzehn. Mal mit den ganz klassischen Motiven, mal mit ganz anderen. Mal betet man sie als Gruppe, mal alleine, mal nach Textvorgaben, mal eher betrachtend.
Die Idee des Kreuzwegs hatten Jerusalempilger mitgebracht, denn am Karfreitag gingen die Christen schon früh den Weg Jesu vom Ort seiner Verurteilung zur Anhöhe Golgatha. Zuerst wurden die Kreuzwege daher auch außerhalb der Kirchen einen Berg hinauf geführt. Im Kreuzweg werden die Teilnehmer mit den Leidensstationen Jesu konfrontiert. „Es gibt in jedem Gesangbuch Meditationen, die man einzeln oder in Form einer gemeinsamen Andacht beten kann. Die Meditationen zielen nicht nur auf das Mitgefühl der Beter, sondern stellen ihm auch die Ursache vor Augen, nämlich die Sünden der Menschen, die Jesus ans Kreuz gebracht haben.“, so Dr Eckhard Bieger SJ (Societas Jesu/Jesuit)
Die Kreuzwegandachten lenken eher den Blick auf die Menschen, die heute verfolgt und misshandelt werden. Mitgefühl mit den Leidenden soll der Kreuzweg bewirken.
„Der ökumenische Kreuzweg der Jugend möchte vor allem Grenzen überwinden – die der Konfessionen, die der Generationen, die der Gleichgültigkeit.“, erklärt das Vorbereitungsteam die eigene Motivation. Hierzu entwickelt dieses achtköpfige ökumenische Redaktionsteam den Kreuzweg immer neu. Künstler werden gewonnen, wirken mit, interpretieren die Passion auf ihre Weise. Die Redaktion gestaltet sieben Stationen, schreibt Gebete und Betrachtungen, entwickelt Aktionen und Gestaltungsideen. Diese werden mehr gebraucht. Den Jugendgruppen steht immer weniger Zeit zur Verfügung, sich intensiv mit der jeweiligen Station auseinanderzusetzen und eigene Rollenspiele, Aktionen und Texte zu erarbeiten.
So unterschiedlich die Kreuzwege Jahr für Jahr sind – „Unsere Intention ist immer den Glauben für das eigene Leben zu erschließen. Es soll den Jugendlichen und Erwachsenen eine Bereicherung sein. Eine Möglichkeit der Reflektion bieten“, erklärt das Redaktionsteam den gemeinsamen Nenner aller Kreuzwege aus 50 Jahren.
Herausgeber des Ökumenischen Kreuzwegs der Jugend sind: die Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz (afj), der Bund der deutschen katholischen Jugend (BDDKJ), sowie der Arbeitsgemeinschaft der evangelischen Jugend Deutschland (aej)

 

 

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